«Aus Wieglebs „Magie“ wohl oder sonst!» – rief Fabian. «Nun da finden Sie an unserm Professor Mosch Terpin Ihren Meister und dürfen sich mit ihm nicht vergleichen, denn der ehrliche Mann zeigt uns immer, dass alles natürlich zugeht und umgibt sich gar nicht mit solcher geheimnisvoller Wirtschaft, als Sie, mein Herr Doktor. – Nun, ich empfehle mich Ihnen gehorsamst!»
«Ei,» sprach der Doktor, «sie werden doch nicht so im Zorn von mir scheiden?»
Und damit strich er dem Fabian an beiden Armen einige Mal leise herab von der Schulter bis zum Handgelenk, dass diesem ganz besonders zumute wurde und er beklommen rief: «Was machen Sie denn, Herr Doktor!» – «Gehen Sie, meine Herrn,» sprach der Doktor, «Sie, Herr Balthasar, hoffe ich recht bald wiederzusehen. – Bald wird die Hülfe gefunden sein!»
«Er bekommt doch kein Trinkgeld, mein Freund,» rief Fabian im Herausgehen dem goldgelben Portier zu und fasste ihm nach dem Jabot. Der Portier sagte aber wieder nichts als «Quirrr» und biss abermal den Fabian in den Finger.
«Bestie!» rief Fabian und rannte von dannen.
Die beiden Frösche ermangelten nicht, die beiden Freunde höflich zu geleiten bis ans Gattertor, das sich mit einem dumpfen Donner öffnete und schloss. – «Ich weiß,» sprach Balthasar, als er auf der Landstraße hinter dem Fabian herwandelte, «ich weiß gar nicht, Bruder, was du heute für einen seltsamen Rock angezogen hast mit solch entsetzlich langen Schößen und solch kurzen Ärmeln.»
Fabian gewahrte zu seinem Erstaunen, dass sein kurzes Röckchen hinterwärts bis zur Erde herabgewachsen, dass dagegen die sonst über die Gnüge langen Ärmel hinaufgeschrumpft waren bis an den Ellbogen.
«Tausend Donner, was ist das!» rief er und zog und zupfte an den Ärmeln und rückte die Schultern. Das schien auch zu helfen, aber wie sie nun durchs Stadttor gingen, so schrumpften die Ärmel herauf, so wuchsen die Rockschöße, dass alles Ziehens und Zupfens und Rückens ungeachtet die Ärmel bald hoch oben an der Schulter saßen, Fabians nackte Arme preisgebend, dass bald sich ihm eine Schleppe nachwälzte, länger und länger sich dehnend. Alle Leute standen still und lachten aus vollem Halse, die Straßenbuben rannten dutzendweise jubelnd und jauchzend über den langen Talar und rissen Fabian um, und wie er sich wieder aufrafte, fehlte kein Stückchen von der Schleppe, nein! – sie war noch länger geworden. Und immer toller und toller wurde Gelächter, Jubel und Geschrei, bis sich endlich Fabian, halb wahnsinnig, in ein offnes Haus stürzte. – Sogleich war auch die Schleppe verschwunden.
Balthasar hatte gar nicht Zeit, sich über Fabians seltsame Verzauberung viel zu verwundern; denn der Referendarius Pulcher fasste ihn, riss ihn fort in eine abgelegene Straße und sprach: «Wie ist es möglich, dass du nicht schon fort bist, dass du dich hier noch sehen lassen kannst, da der Pedell mit dem Verhaftsbefehl dich schon verfolgt.» – «Was ist das, wovon sprichst du?» fragte Balthasar voll Erstaunen. «So weit,» fuhr der Referendarius fort, «so weit riss dich der Wahnsinn der Eifersucht hin, dass du das Hausrecht verletztest, feindlich einbrechend in Mosch Terpins Haus, dass du den Zinnober überfielst bei seiner Braut, dass du den missgestalteten Däumling halb tot prügeltest!» – «Ich bitte dich,» schrie Balthasar, «den ganzen Tag war ich ja nicht in Kerepes, schändliche Lügen.» – «O still, still,» fiel ihm Pulcher ins Wort, «Fabians toller unsinniger Einfall, ein Schleppkleid anzuziehen, rettet dich. Niemand achtet jetzt deiner! – Entziehe dich nur der schimpflichen Verhaftung, das übrige wollen wir denn schon ausfechten. Du darfst nicht mehr in deine Wohnung! – Gib mir die Schlüssel, ich schicke dir alles nach. – Fort nach Hoch-Jakobsheim!»
Und damit riss der Referendarius den Balthasar fort durch entlegene Gassen, durchs Tor hin nach dem Dorfe Hoch-Jakobsheim, wo der berühmte Gelehrte Ptolomäus Philadelphus sein merkwürdiges Buch über die unbekannte Völkerschaft der Studenten schrieb.
Sechstes Kapitel