Читаем 0196951001361827419 adrian lara - midnight breed 01 полностью

„Ich habe es selbst getan“, sprudelte sie leise hervor. „Ich war es selbst. Das hat niemand anders getan.“

„Was?“ Ihr zartes Handgelenk in der Hand haltend, drehte er ihren Arm erneut um, sodass er das verblasste Netz aus sich überkreuzenden, leicht violetten Narben genauer betrachten konnte. „Du hast das getan? Warum?“

Sie entzog sich seinem lockeren Griff und ließ beide Arme unter die Wasseroberfläche sinken, als wollte sie sie vor einer genaueren Untersuchung schützen.

Lucan fluchte leise in einer Sprache, die er kaum noch sprach. „Wie oft, Gabrielle?“

„Ich weiß es nicht.“ Sie zuckte die Achseln und wich seinem Blick jetzt aus. „Ich habe das schon lange nicht mehr getan. Ich bin darüber hinweg.“

„Liegt darum das Messer unten in der Spüle?“

Der Blick, den sie ihm zuwarf, war gequält und verteidigend. Es gefiel ihr nicht, dass er sie bedrängte, so wie es ihm an ihrer Stelle auch nicht gefallen hätte, aber Lucan wollte begreifen. Er konnte kaum verstehen, was sie dazu getrieben haben konnte, mit einem Messer in ihr eigenes Fleisch zu schneiden.

Wieder und wieder und wieder.

Sie starrte finster in die sich langsam auflösenden Blasen in dem Seifenwasser. „Hör mal, können wir das Thema einfach fallen lassen? Ich möchte wirklich nicht darüber sprechen …“

„Vielleicht solltest du darüber sprechen.“

„Oh, klar.“ Ihr schwaches Lachen klang ironisch. „Ist das der Teil, in dem Sie vorschlagen, dass ich zu einem Psychiater gehen soll, Officer Thorne? Und vielleicht irgendwohin, wo ich medikamentös in einen Zustand der Benommenheit versetzt werden kann, unter genauer Beobachtung eines Arztes, und zwar zu meinem eigenen Besten?“

„Ist dir das passiert?“

„Die Leute verstehen mich nicht. Das haben sie noch nie getan. Ich verstehe mich ja manchmal selbst nicht.“

„Was verstehst du nicht? Hast du das Bedürfnis, dich selbst zu verletzen?“

„Nein. Das ist es nicht. Das ist nicht der Grund, warum ich es getan habe.“

„Warum dann? Großer Gott, Gabrielle, das sind sicher mehr als hundert Narben …“

„Ich habe es nicht gemacht, weil ich Schmerzen spüren wollte. Es hat mir nicht wehgetan.“ Sie holte tief Luft und ließ sie zwischen ihren Lippen wieder entweichen. Es dauerte eine Sekunde, bis sie sprechen konnte, und als sie es tat, konnte Lucan sie nur schweigend und fassungslos anstarren. „Es ging mir nie darum, Schmerzen zuzufügen, und zwar niemandem. Ich verbarg keine traumatischen Erinnerungen und versuchte auch nicht, irgendeiner Form von Missbrauch zu entfliehen, trotz der Meinungen mehrerer sogenannter staatlich geprüfter Expertinnen und Experten. Ich habe mich selbst geschnitten, weil … es mich beruhigt hat. Das Bluten hat mir Ruhe verschafft. Dazu war nicht viel erforderlich, nur ein kleiner Schnitt. Es war nie sehr tief. Als ich geblutet habe, fühlte sich alles, was an mir fehl am Platz und fremdartig war, plötzlich … normal an.“

Sie hielt seinem unverwandten Blick nun mit einer trotzigen Miene stand, als ob sich ein Tor tief in ihrem Inneren geöffnet hätte und ihr eine schwere Last von den Schultern genommen worden wäre. Lucan wurde klar, dass das in gewisser Weise genau das war, was er hier erlebt hatte. Nur dass Gabrielle noch eine wichtige Information fehlte, die die Dinge für sie an den richtigen Platz rücken würde.

Sie wusste nicht, dass sie eine Stammesgefährtin war.

Sie konnte nicht wissen, dass eines Tages ein Angehöriger seiner Rasse sie zu seiner ewigen Geliebten nehmen und ihr eine Welt zeigen würde, anders als alles, was sie sich je erträumt hatte. Ihre Augen würden für einen Genuss geöffnet werden, der nur zwischen im Blut verbundenen Paaren existierte.

Lucan stellte fest, dass er diesen namenlosen Mann hasste, der die Ehre haben würde, Gabrielle zu lieben.

„Ich bin nicht verrückt, falls es das ist, was du denkst.“

Lucan schüttelte langsam den Kopf. „Das denke ich überhaupt nicht.“

„Ich verabscheue Mitleid.“

„Ich auch“, erwiderte er. Er hatte die Warnung in ihren Worten erkannt. „Du brauchst kein Mitleid, Gabrielle. Und du brauchst auch keine Medikamente oder Ärzte.“

Sie hatte sich von dem Moment an, an dem er ihre Narben entdeckt hatte, in sich selbst zurückgezogen, aber nun spürte er ihr Zögern, spürte er, wie ihr zaghaftes Vertrauen zu ihm langsam zurückkehrte.

„Du gehörst nicht zu dieser Welt“, sagte er zu ihr. Das war keine Gefühlsduselei, sondern eine Tatsache. Er streckte die Hand aus und nahm ihr Gesicht in seine Hände. „Du bist viel zu außergewöhnlich für das Leben, das du geführt hast, Gabrielle. Ich glaube, das wusstest du von Anfang an. Eines Tages wird all das Sinn für dich ergeben, das verspreche ich dir. Dann wirst du es verstehen, und du wirst deine wahre Bestimmung finden. Vielleicht kann ich dir helfen, sie zu finden.“

Eigentlich hatte er vorgehabt, sie weiter zu baden, aber das Wissen, dass sie ihn ansah, ließ seine Hände stocken. Die tiefe Wärme in ihrem Lächeln ließ seine Brust schmerzen. Gefangen von ihrem zärtlichen Blick spürte er, wie sich ihm auf seltsame Weise die Kehle zuschnürte.

„Was ist los?“

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